Geschichte

Zur GESCHICHTE der Sparnecker Kirche St.Veit                                                                                                                                                                                                                                                                                                         

Sparneck tritt am 10. November 1223 erstmals ins Licht der Geschichte. An diesem Tag wird Rüdiger von Sparneck als Zeuge in einer Urkunde genannt, die der deutsche König Heinrich VII, Sohn und Stellvertreter des großen Kaisers Friedrich II, in Eger ausfertigen ließ. Rüdiger war Enkel des Reichsritters Getto von Waldstein, der um 1150 die erste Burg am Fuß des Schüsselfelsens erbaut hatte. Zu ihr gehörte auch eine Kapelle, die noch vor 1300 erneuert wurde und im Jahre 1430 sehr wahrscheinlich dem Hussitensturm zum Opfer fiel.

Rüdiger erbaute um 1200 in Sparneck ein neues Schloss, das zum Stammsitz der Familie wurde. Die Reichsritter vom Waldstein nannten sich fortan nach diesem Sitz.

Wahrscheinlich gab es im Schloss auch eine Kapelle, die jedoch den Adeligen vorbehalten war.  Auf eine richtige Kirche musste der Ort dagegen noch 250 Jahre warten. Ihr Erbauer war Ritter Friederich von Sparneck. Er gründete in Sparneck auch ein Kloster, starb allerdings vor dessen Vollendung, am 14.Oktober 1477. Er wurde in der Krypta des bereits fertig gestellten, zum Kloster gehörigen Gotteshauses beigesetzt. Seine Grabplatte gibt uns heute entscheidende Hinweise auf das Alter von Kirche und Kloster.

Epitaph des Kirchengründers Friedrich von Sparneck, Zeichnung von 1792 (Staatsarchiv Bamberg). Die Umschrift lautet: Anno domini 1477 am tage kalixti starb der erberg und veste Junckher friderich von sparneck hie begraben am anfang des klosters dem got genad

Das Sparnecker Kloster

Die Gründung des Sparnecker Klosters ging wahrscheinlich auf den religiösen Eifer des Ordensgenerals Johannes Soreth zurück, der am Bamberger Karmelitenkonvent wirkte. In den Ordensakten wird das Stiftungsjahr 1455 genannt.

Das spät gegründete Kloster wurde dem Heiligen St. Ägidius (1. September) geweiht, einem der 14 Nothelfer. Es war beim Tod des Gründers Friedrich von Sparneck noch unvollendet, wurde von seinem Sohn Christoph fertig gestellt und im Jahr darauf seiner Bestimmung übergeben.

Die genaue Lage des Klosters ist heute nicht mehr festzustellen. Verschiedene Indizien deuten jedoch darauf hin, dass es - nach Westen versetzt - nahezu parallel zur Kirche verlief und stattliche Ausmaße besaß. Außerdem ist anzunehmen, dass diverse Wirt­schaftsgebäude dazu gehört haben. Mauerreste wurden bei der Renovierung im Jahre 2002 aufgedeckt.

In der Zeit von 1479 bis 1534 sind 16 Priore des Klosters namentlich bekannt. Ihren Unterhalt bestritten die Mönche hauptsächlich aus den Abgaben der Kleinlosnitzer Bauern, dem Ertrag von 40 Tagwerk Klosterfeldern, dem sechs Tagwerk großen Mönchsteich sowie den Fischrechten im Krebs- und Pfarrbach.

Die Karmeliten waren ein Bettelorden. Ihnen wurde ein sogenannter Terminierbezirk zugeordnet, in dem sie Almosen sammeln durften. Der Sparnecker Bezirk umfasste etwa das Dreieck Marktschorgast-Hallerstein-Schauenstein.

Als der Schwäbische Bund – ein Zusammenschluss von fränkischen und schwäbischen Reichsstädten – im Jahre 1523 einen Rachefeldzug gegen die Raubritter aus der Region und ihre Helfer durchführte, fliehen auch die Sparnecker Ritter. 23 Burgen wurden zerstört, darunter die wichtigsten Sparnecker Häuser Wald­stein, Sparneck, Weißdorf, Uprode und Gattendorf.

Kirche und Kloster sind auf dem kolorierten Holzschnitt von der Zerstörung des Sparnecker Schlosses durch den Schwäbischen Bund am 10. Juli 1523 klar ersichtlich. Links oben im Bild die Kirche mit dem Turm hinten, links daneben das dreischiffige Klostergebäude. Dies ist die einzige bildliche Darstellung, die vom Kloster existiert.

Vom Klostergebäude hören wir zuletzt im Jahre 1550, als Christoph Philipp von Sparneck seinen gesamten Besitz an den Markgrafen verkaufte. Es wurde später abgebrochen und daraus angeblich ein Brau- und Wirtshaus erbaut (heute Marktplatz 9).

 Die Klosterkirche St. Veit

Die Klosterkirche war gerade fertiggestellt, als ihr Gründer Friedrich von Sparneck am 14. Oktober 1477 starb. Er wurde in der unterirdischen Rittergruft beigesetzt und mit der eingangs gezeigten Grabplatte abgedeckt.

Die Kirche wurde dem Heiligen St. Veit (15. Juni) geweiht.

Wie in über 1300 anderen Orten trägt die Kirche in Sparneck den Namen des Sankt Veit.

Der heilige Veit oder auch Sankt Vitus (geb. in Mazara/Sizilien; gest. um 304 in Lukanien/Süditalien) starb unter dem römischen Kaiser Diokletian als Märtyrer und gilt als einer der Vierzehn Nothelfer.

Der Legende nach gaben seine Eltern ihn als Kind der Amme Crescentia und deren Mann Modestus zur Erziehung, die ihn im christlichen Glauben unterrichteten. Als sein Vater davon erfuhr, wollte er seinen Sohn vom Glauben abbringen und später umbringen, Veit aber blieb standhaft. Veit floh mit Crescentia und Modestus nach Lukanien, wo ihnen ein Adler Brot brachte und er allerlei Wunder wirkte.

Als Kaiser Diokletian von dem Jungen hörte, holte er ihn nach Rom, weil Veit seinen Sohn, der von einem bösen Geist befallen war, heilen sollte. Obwohl Veit dies gelang, sollte er seinen Glauben aufgeben und den heidnischen Göttern opfern. Als Veit sich wieder weigerte, wurde er vor die Löwen geworfen, damit diese ihn zerfetzten. Die Löwen aber legten sich vor ihm nieder, leckten seine Füße und taten ihm nichts. Schließlich wurde Veit zusammen mit Modestus und Crescentia in siedendes Öl geworfen. Engel retteten sie daraus und brachten sie zurück nach Lukanien, wo sie starben. Adler bewachten ihre Körper, bis die Witwe Florentia sie fand und begrub.

(kolorierter Holzschnitt, 1493, Hartmann Schedels Nürnberger Weltchronik)

756 kamen die Reliquien des heiligen Veit in die Basilika Saint-Denis bei Paris, von dort 836 als Geschenk in das erste Benediktinerkloster Sachsens, die später gefürstete Reichsabtei Corvey an der Weser (gegr. 822), deren Patron Vitus noch heute ist. Von hier aus breiteten sich Vitusverehrung und Vitus-Reliquien weiter nach Norden und Osten. So wurde 1355 sein Haupt nach Prag überführt, um dort im Veitsdom, der ihm zu Ehren durch König Karl IV. erbaut worden war, aufbewahrt zu werden.

Über dreißig Patronate zeigen, wie volkstümlich und beliebt dieser Heilige geworden ist. St.Veit  ist u.a. der Schutzpatron der Apotheker, Gastwirte, Bierbrauer, Winzer, Kupferschmiede, Tänzer und Schauspieler, der Sachsen, der Jugend, der Haustiere, von Böhmen, Prag, Mönchengladbach, und Sizilien. Er wird angerufen, um Krämpfe, Epilepsie, Tollwut und Schlangenbiss zu heilen.

 

Die Kirche zu Sparneck war nicht sehr groß und besaß wohl einen hölzernen Turm auf dem Dach. Ihre heutigen Ausmaße erlangte sie erst im Jahre 1695. Die alte Klosterkirche bildet nun den Chor des vergrößerten Gotteshauses.

 

Altarraum

Kloster und Kirche waren vermutlich durch einen Kreuzgang ver­bunden. Im Jahre 1791 waren an der Nordseite der Kirche noch zugemauerte Bogengänge zu finden. 1928 berichtet Pfarrer Wilhelm Zahn, dass zwischen Pfarrhaus und Friedhof Grundmauern im Ausmaß von 10 mal 35 Metern aufgedeckt wurden. Weiterhin fand man im Gemüsegarten des Pfarrhauses Mauerreste in einer rechteckigen, 10 mal 20 Meter großen Erhebung. Ein weiteres Relikt aus vorreformatorischer Zeit ist das Sakramentshäuschen, das sich heute noch in der nördlichen Chorwand findet.

Nach der Reformation und dem Untergang des Klosters wurde die Kirche 1562 in eine evangelische Pfarrkirche umgewandelt. Treibende Kraft war dabei Christoph Haller von Haller­stein, der zwischenzeitlich die Sparnecker Besitzungen übernommen hatte. Allerdings dauerte es noch einige Jahre, bis in Sparneck ein eigener Geistlicher seinen Dienst versah. Im Jahre 1572 legte der erste Pfarrer Peter Hochmuth ein Kirchenbuch an, das bis heute lückenlos erhalten ist.

Ein kleines, hölzernes Pfarrhaus wurde westlich der Kirche errichtet. Im Jahre 1625 erhielt das Gotteshaus einen neuen Altar. Gleichzeitig stiftete die Sparnecker Wirtin Margaretha Zahn einen Predigtstuhl und einen Taufstein. Nach und nach wurden bessere Glocken erworben und 1687 kam eine neue Orgel dazu.

Die weitest gehende Umgestaltung erfuhr die Sparnecker Kirche jedoch in den Jahren 1695-1698. Ein großes Kirchenschiff wurde angebaut, der kleine Dachreiter entfernt und eine neuer, steinerner Glockenturm im Westen angebaut. Dieser war dreistöckig, etwa 18 Meter hoch und trug eine neue, fünf Zentner schwere Glocke. Der ursprünglich gotische Chor erhielt der damaligen Zeit entsprechend eine barocke Decke. Die Stuckarbeiten wurden von dem Bayreuther Hofstukkateur Bernardo Quadri ausgeführt.

   

    

Kirche von aussen

 

Weitere Verbesserungen folgten, bevor am 5. Mai 1845 ein verheerender Brand die Kirche mit Nebengebäuden weitgehend einäscherte. Der Wiederaufbau zog sich bis 1861 hin und gab dem Gotteshaus sein heutiges, neugotisches Aussehen.

Im Zuge der Bauarbeiten wurde 1853 unter dem Schutt die Grabplatte des Klostergründers Friedrich von Sparneck wieder entdeckt, die die Rittergruft abdeckte. Die Grablege wurde geöffnet und dabei wahrscheinlich zerstört. Eine zweite Gruft aus dem 16./17. Jahrhundert an der südlichen Chorwand ist jedoch erhalten geblieben.

 

Die Ausstattung der St.-Veits-Kirche

Die meisten Einrichtungen der Kirche stammen aus dem Wiederaufbau nach dem großen Brand von 1845. Der Altar und die Chorbänke wurden von Lorenz Scheidig, die Kanzel von Friedrich Laubmann und die Orgel von Wilhelm Raithel zwischen 1854 und 1860 gefertigt. Letztere wurde 1892 durch Johann Strebel erneuert und 1932 mit einem elektrischen Gebläse versehen.

Drei schöne Buntglasfenster in den Chorwänden (Petrus, Auferstehung und Paulus) malte 1894 der Glasmaler Sebastian Eisgruber aus Nürnberg. Ein schwerer Hagelschlag zerstörte jedoch 1962 das Paulusfenster. Erst jetzt wurde es nach einer alten Fotografie wieder hergestellt.

           

            Taufengel

Kunstgeschichtlich besonders wertvoll ist der Taufengel, der1761 von Georg Friedrich Hartung, einem Sohn des Sparnecker Amtmannes Johann Georg Hartung, aus Holz geschnitzt wurde. Später wurde das Kunstwerk aus unerfindlichen Gründen auf den Dachboden gebracht. Dort entdeckte man den Engel 1912 wieder und ließ ihn restaurieren. Seit 1915 schmückt er erneut den Chorraum der Kirche.

           

Epitaph Friedrich von Sparneck, Ritter und Gründer des Klosters und der Kirche, 14.10.1477

           

Wertvolle steinerne Zeugen der Vergangenheit finden sich in den neun Grabplatten, die teilweise gut erhalten sind und jetzt im Untergeschoss des Turmes, im Kirchenschiff und im Chor aufgestellt sind. Eine von ihnen wurde erst im Verlauf der Sanierungsarbeiten im Jahr 1997 wieder aufgefunden. Die Epitaphien sind typischerweise etwa zwei Meter hoch, knapp einen Meter breit und 10 bis 15 Zentimeter dick. Sie sind aus weißem Fichtelgebirgsmarmor gefertigt. Einige von ihnen waren vor der jüngsten Renovierung an der Außenmauer der Kirche angebracht, wo sie unter Witterungseinfluss erhebliche Schäden erlitten. Um ihren weiteren Verfall zu verhindern, wurden sie in den Innenraum gebracht.

                                                                                                          

Grundriss der Sparnecker St.-Veits-Kirche mit den Standorten der neun Grabplatten.

Deutlich sichtbar die Dreiteilung in (von links) Turm, Kirchenschiff und etwas eingezogenem Chor.

 

Die Epitaphien erinnern an folgende Personen:

1: Friedrich von Sparneck, Ritter und Gründer des Klosters und der Kirche, 14.10.1477

2: Melchior Apel, Sparnecker Pfarrer, 5.8.1674

3: Hans Sigmund Rephun, Amtmann in Stockenroth und Hallerstein, 7.6.1587

4: Helene Rephun, seine Ehefrau, 17.5.1579

5: Margaretha Apel, Pfarrer Apels Ehefrau,  † 28.7.1647

6: Ägidius Konrad Brückner, Oberförster in Sparneck,  4.3.1759

7: Johann Konrad Beyer, Forstmeister in Stockenroth und Hallerstein, 7.4.1702

    mit Ehefrau Cordula, † 22.3.1699

8: Bürgermeister Nikolaus Ruckdeschel,† 29.4.1683

9: Unleserlich,  † 1655.

 

           

            Aussegnungshalle

           

Der Friedhof zog sich ursprünglich rings um die Kirche herum. Erst 1834 verlegte man ihn hinter den Garten des Pfarrhauses, wo er bis heute seinen Platz hat. Am 5. September 1920 konnte in seiner Mitte eine Aussegnungshalle eingeweiht werden. Sie wurde von ehemaligen Sparnecker Bürgern gestiftet, die nach Amerika ausgewandert waren. Für die Gefallenen der beiden Weltkriege wurde 1953 an der Kirche ein Denkmal aus Granit aufgestellt.

 

           

            Sparneck/Landschaft

(gekürzte Dokumentation von Bürgermeister Dr.R.Schmalz)